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05.04.2018 | Thüringer Trachtenjugend zwischen Apokalypse und Milbenkäse

Thüringer Trachtenjugend zwischen Apokalypse und Milbenkäse


Carolin und Danilo vom Heimatverein Ponitz begrüßten die Teilnehmer der Osterferienaktion in Tracht und mit Mundart in der Jugendherberge Schloss Windischleuba. Überhaupt: das Altenburger Land und seine Spezialitäten, die von den Ferienlagerteilnehmern erforscht wurden. Spitzenreiter dabei wurde der Altenburger Senf, dicht gefolgt vom Mutzbraten, dem berühmten Ziegenkäse und dem Huckelkuchen. Die Senfhersteller in Altenburg sind so erfindungsreich, dass sogar Einheimische die neuesten Sorten noch gar nicht kennen. So faszinierten der pinke Einhornsenf und der blaue Trabisenf und fanden Weg in so manche Reisetasche.


Bei Malcher und Grün-Wenzel


Standesbewusst und traditionsbezogen waren die Altenburger Bauern bereits in alter Zeit. So ist es nicht verwunderlich, dass in den 1930er Jahren auf dem Bahnsteig des Altenburger Bahnhofes der „Malcher“, der Altenburger Bauer in Tracht, als Standbild in Überlebensgröße aufgestellt wurde. In der Bahnhofshalle befindet sich der kleine Kollege vom großen Malcher, der niedliche Grün-Wenzel aus dem Skatspiel. Die anderen drei Wenzel sind allerdings nicht so friedlich wie ihr netter Bruder aus der Bahnhofshalle, sie dreschen sich in Stein gehauen auf dem Skatbrunnen.


Milben im Tontopf


Dr. Christian Klau vom Verein Altenburger Bauernhöfe führte uns über seinen historischen Hof, welchen er seit 1994 mit seiner Familie bewohnt. „Am schönsten fanden wir die Stube“, so meinten manche Kinder. Die Wandmalereien, das Zinngeschirr, die historische Beleuchtung, überhaupt das ganze Ambiente versetzten in die große Zeit der Altenburger Bauern zurück. Aufsehenerregend fanden alle den Milbenkäse, eine typische Altenburger Spezialität. „Dieser Käse kann uralt werden“, so Christian Klau. Als er ein Exemplar aus dem Tontopf nahm, fielen die Milben massenweise ab. Ob der Käse dann gekostet wurde? Natürlich, der eine oder andere ließ es nicht nehmen. Die Reaktion ging von „Nie wieder!“ über „Eingeschlafene Füße“ bis zu „Rustikal Lecker!“. Norbert nahm sich sogar ein Glas Milben mit und wird in Zukunft eifrig Milbenkäse herstellen. Alle sind gespannt auf ein kulinarisches Ergebnis.


140 Karpfen unterm Kühlturm


Über dem Altenburger Land stehen fast ständig zwei riesengroße Rauchsäulen, die sich am Himmel zu Wolken zu formen scheinen. Die Ursache dieser Erscheinung befindet sich aber nicht im Altenburger Land selbst, sondern im Südraum Leipzig. Zudem steigt auch kein Rauch in den Himmel, sondern Wasserdampf. Er entsteht bei der Energieerzeugung im Kraftwerk Lippendorf, welches zum Ziel einer Tagesexkursion wurde. Ein Halt am Aussichtspunkt des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain zeigte apokalyptische Landschaften. Angekommen im Kraftwerk Lippendorf beeindruckte der Gang durch die Kesselhäuser mit Turbinen und der besonders der Aufstieg auf die Kesselhäuser selbst. In greifbarer Nähe grüßte die Silhouette der Messestadt Leipzig, aus der deutlich das Völkerschlachtdenkmal herausragt. Herr Dornberg vom Kraftwerk erläuterte die Wirkungsweise und weitere Wege zu neuen natürlichen Energien. Das Abwasser in den Kühltürmen ist so sauber, dass zahlreiche Algen darin wachsen. Dieses Problem lösten die Ingenieure dadurch, dass in jedem Wasserbassin 140 Karpfen eingesetzt wurden, die mit den Algen reichlich Nahrung finden. Eine Methode, Strom zu sparen, konnte dann übrigens gleich in der Jugendherberge ausprobiert werden: Immer Licht aus, wenn es nicht gebraucht wird. Übrigens gar nicht so einfach! Es wird öfter nicht beachtet, als man denkt.


Text: Dirk Koch

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